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Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel
Seine gesamtorthodoxen Aufgaben


In Zusammenhang mit dem Besuch des Papstes Benedikt XVI. beim Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. (29.-30. November 2006) entstanden viele Diskussionen und wurden Fragen nach der Stellung des Ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel innerhalb der Gesamtorthodoxie gestellt. Diese Fragen, als echte Fragen eines Suchenden gestellt, bedürfen einer Beantwortung. Diesbezüglich gibt es aber auch Diskussionen vielerorts und nicht nur in unserer Zeit. Auch in Österreich gibt es unterschiedliche Bemerkungen, unnötigerweise und manchmal bewusst, leider auch von orthodoxer Seite, die der Realität nicht entsprechen und Verwirrung schaffen, und immer wieder aus der gleichen Richtung kommen. Deshalb ist es hier erforderlich, einige klärende Bemerkungen zu machen.

Die eine und die vielen Orthodoxen Kirchen

Wichtig ist hier festzuhalten, dass es nur eine einheitliche Orthodoxe Kirche gibt. Der Glaube ist überall derselbe, die gleichen Sakramente mit dem gleichen Inhalt, das gleiche grundsätzliche Kirchenrecht, wenn auch in sekundären Lebensgestaltungen vielfältig und autonom realisiert, die gleiche liturgische Ordnung. Also dogmatisch, liturgisch, kirchenrechtlich gibt es keine kirchentrennenden Differenzen zwischen den Orthodoxen Kirchen. Deshalb gibt es eine volle kirchliche und sakramentale Gemeinschaft, die die Orthodoxe Kirche als ein Ganzes, als eine Kirche ausmacht. In diesem Sinne versteht sich die eine Orthodoxe Kirche als die Kirche in der ununterbrochenen Kontinuität, wie sie im großen Glaubensbekenntnis des zweiten Ökumenischen Konzils von Konstantinopel (381) beschrieben wird, als die „eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“. Diese ganzheitliche Dimension der einen Orthodoxen Kirche darf von den Nicht-Orthodoxen nicht ignoriert oder falsch interpretiert werden, auch wenn die eine Orthodoxie als communio ecclesiarum der vielen Kirchen existiert, und auch wenn innerhalb der orthodoxen Familie bedauerlicherweise zeitweilige Spannungen und Disharmonien das einträchtige Leben stören.

Das bedeutet, dass es in der einen Orthodoxen Kirche zugleich die vielen Orthodoxen Kirchen gibt, die von einander verwaltungsmäßig unabhängig sind, d. h. in der Sprache der Orthodoxen Kirche, als Autokephale Kirchen in der synodalen und kollegialen Ordnung und als gleichwertig existieren. Die Struktur der Orthodoxen Autokephalen Kirchen hat seit Jahrhunderten eine konkrete Organisation, die das Leben der Gesamtorthodoxie regelt. Die Orthodoxe Kirche ist in der Fortsetzung der kirchlichen Strukturen des ersten Jahrtausends polyzentrisch, als communio ecclesiarum strukturiert. D. h. wie in der Gesamtkirche des ersten Jahrtausends gibt es in der Gesamtorthodoxie keinen absoluten hierarchischen Monarchen, keinen Papst, wie dies in der Römisch-Katholischen Kirche entwickelt wurde, ebenfalls auch keinen Vatikan, jedoch eine konkrete und durch die Ökumenischen Konzilien festgelegte Rangordnung, eine τάξις, die Jahrhunderte lang praktiziert und respektiert wird.

Heute gibt es folgende selbstständige, bzw. Autokephale Orthodoxe Kirchen, die die eine Orthodoxe Kirche in voller kirchlichen und sakramentaler Gemeinschaft ausmachen, mit einer eigenen Verwaltungsstruktur, d. h. mit einem Ersten an der Spitze, Patriarchen oder Erzbischof, und einer Synode, der er, innerhalb der Hierarchie seiner Kirche, als primus inter pares vorsteht:

 

1. das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel,

2. das Patriarchat von Alexandrien,

3. das Patriarchat von Antiochien,

4. das Patriarchat von Jerusalem,

5. das Patriarchat von Moskau und ganz Russland,

6. das Patriarchat von Serbien,

7. das Patriarchat von Rumänien,

8. das Patriarchat von Bulgarien,

9. das Patriarchat von Georgien,

10. die Kirche von Zypern,

11. die Kirche von Griechenland,

12. die Kirche von Polen,

13. die Kirche von Albanien,

14. die Kirche von Tschechien und der Slowakei,

sowie die Autonomen Kirchen

15. von Finnland und

16. von Estland